DIESE SEITE WIRD ZURZEIT ÜBERARBEITET. Von der Mitgliederversammlung des Werkbunds Rheinland-Pfalz am 28. März 2009 angenommen.
Völlig offen ist der Ausgang der Planungen für eine Brücke über das Mittelrheintal bei St. Goar/Goarshausen. Die Befürworter einer festen Rheinquerung in der Landesregierung Rheinland-Pfalz und bei den Wirtschaftsverbänden betonen die infrastrukturellen Vorteile für die regionale Wirtschaft. In der Bevölkerung ist das Projekt mit seinen Auswirkungen umstritten. Nachteilige Auswirkungen durch ein verändertes Verkehrsaufkommen werden befürchtet. Anders als bei der Diskussion über die Elbbrücke besteht bei allen Beteiligten die Bereitschaft, Maßgaben der Unesco zu berücksichtigen. Diese hat sich bisher grundsätzlich nicht negativ zum Vorhaben geäußert, jedoch vorab gefordert, die Umweltverträglichkeit zu prüfen. Die technische Alternative einer Tunnellösung wird aus finanziellen Erwägungen aktuell nicht verfolgt. Neben wirtschaftlichen Aspekten sollen bei der Brückenplanung die Belange der Denkmalpflege berücksichtigt werden. Befürworter sprechen einer Brücke gestalterische Wahrzeichenqualität zu.
Seit alters wird der Verkehr über den Rhein durch Fähren abgewickelt, die Teil des kulturellen Erbes im Mittelrheintal sind. Die Einstellung von Fähren würde einen empfindlichen Verlust an Erlebnisqualität für das „Tal der Loreley“ darstellen. Das bisherige, intensive Mitwirken des Werkbundes in der Thematik des Mittelrheintales erfordert nach Auffassung des Vorstandes eine frühzeitige inhaltliche Diskussion und Positionierung zu diesem in der kontroversen öffentlichen Diskussion befindlichen Projekt – zumal noch alle Alternativen möglich sind.
Unter diesem Projektnamen bereitet das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur - Abteilung allgemeine Kulturpflege - eine virtuelle Routenführung vor, um die Kulturlandschaft von Bingen über Nahetal und Glantal bis zum Disibodenberg vorzustellen. Es soll eine qualitativ hochwertige Internetplattform entstehen. Dem Werkbund Rheinland-Pfalz wurde angeboten, in der Planungs- und Lenkungsgruppe mitzuwirken, die das weitere inhaltliche Verfahren und die nachfolgende Ausschreibung vorbereitet.
Im Dezember 2007 wurde die neue Ortsumgehung Oppenheim der Bundesstraße B 9 fertig gestellt. Dafür wurden umfangreiche Straßenbaumaßnahmen auf rund fünf Kilometer Länge durchgeführt, Überführungsbauwerke über die B 9 und die Bahntrassen gebaut. Dazu waren erhebliche Tiefbauarbeiten erforderlich, Lärmschutzwände wurden errichtet, um die Emissionen der Bahnstrecke Mainz-Worms-Ludwigshafen aber auch der Bundesstraße einzudämmen. Diese Baumaßnahmen haben unabhängig von ihrer funktionalen Notwendigkeit erhebliche Auswirkungen auf das Ortsbild von Oppenheim und dessen Erlebbarkeit. So ergeben sich für den heute Oppenheim zügig Durchquerenden nicht nur andere Ausblicke auf den Ort und das Rheintal, sondern auch Sichteinschränkungen durch verbesserungswürdige Gestaltungselemente. In Nierstein wurde 2008 eine Hochwasserschutzmauer übergeben, die ähnliche gestalterische Defizite aufweist. Mittelfristig ist eine Ortsumfahrung auch für Nierstein geplant.
Eine örtliche Initiative, unterstützt durch den Künstler und Werkbundmitglied Dietmar Groß plant eine fachlich besetzte öffentliche Veranstaltung, um die Mängel herauszuarbeiten und Perspektiven für zukünftige Planungen zu entwickeln. Schwerpunkt der Initiative ist die Sensibilisierung für die Rheinuferfront und das Rheintal zwischen Mainz und Guntersblum als Kulturlandschaft. Der Vorstand schlägt vor, das Thema fachlich zu begleiten und die Initiative inhaltlich und moderierend zu unterstützen.
In Nachfolge der Zeitschrift „Kultursommer Rheinland-Pfalz“ bringt die Landesregierung ab 2009 das neue Magazin „Kulturland“ heraus, zweimal jährlich erscheinend in einer Auflage von zweihunderttausend Exemplaren. Das Kultusministerium bietet an, in der zweiten Ausgabe 2009 einen Beitrag des Werkbunds Rheinland-Pfalz aufzunehmen. Der Vorstand empfiehlt, dieses Angebot annehmen und die Möglichkeit zu nutzen, landesweit und öffentlichkeitswirksam den Werkbund, seine Positionen und das interdisziplinäre ehrenamtliche Engagement zum Thema „Kulturlandschaften“ bekannt zu machen. Hierzu sind der vorbereitende inhaltliche Diskurs und ein Redaktionsteam erforderlich.
Seit drei Jahren entwickelt die Fachhochschule Mainz mit dem Gymnasium Gonsenheim / Hochbegabtenschule Module zu Verständnis und Erkenntnis der heimischen Kulturlandschaften. Das Programm ist modular aufgebaut und soll nach zweimaliger prototypischer Anwendung in der Partnerschule für andere Schulen im Land verfügbar gemacht werden. Ziel ist der Aufbau durchgehenden Lehreinheit in Unter-, Mittel- und Oberstufe weiterführender Schulen, in der Aspekte der Kultur-landschaft am Standort der Schule vertieft und altersangepasst vermittelt werden. Das vom MBWJK geförderte Projekt läuft 2009 aus.
Der Vorstand empfiehlt, das Projekt als Werkbund-Projekt zu übernehmen und mit weiteren Schulen im Land fortzusetzen. Ziel ist der Aufbau einer Publikationsreihe mit Lehrmaterial, die das Thema „Kulturlandschaft“ fest im Schulunterricht verankert.
Der demographische Wandel, die Überalterung der Bevölkerung im ländlichen Raum, wirkt sich nachhaltig auf die traditionell landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaften aus. Die tausendfach das Ortsbild prägende Hofreite, eine Wohn- und Wirtschaftsform, die seit fränkischer Zeit mehr als tausend Jahre unsere Siedlungsformen prägt und markante Ortsbilder schafft ist durch Leerstand und Verfall oder bauliche Eingriffe gefährdet. Der Werkbund möchte zukunftsfähige Konzepte zu Erhalt und Fortentwicklung dieser besonderen Bau- und Wohnform entwickeln und unterstützen.
Hoher Auspendlerüberschuss, Defizite wohnortnaher Arbeitsplätze, schlechter Internetzugang, geringe Kaufkraft und ein fehlendes generationsübergreifendes Angebot an Wohnformen lässt die Wertschätzung ländlicher Wohnformen weiter schwinden. Geeignete Maßnahmen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich sind notwendig, um die betroffenen Regionen zu stärken und ihren Charakter zu bewahren. Hierbei kann die kreative Auseinandersetzung mit der prägenden Bauform der Hofreite einen entscheidenden Beitrag leisten. Nutzungskonzepte für leer stehende Anwesen sollen eine sinnvolle Zukunft der historischen aufzeigen. Hierzu möchte der Werkbund einen entscheidenden Beitrag leisten. Der erste Schritt wäre ein gut gestaltetes Buch mit dem Arbeitstitel „Die hessisch-fränkische Hofreite – eine bedrohte Art“.
Orientiert an der „Werkbund Hessen Zeitung“ soll in loser Folge eine themenbezogene Druckschrift aufgelegt werden, in der durch Beiträge von Mitgliedern Schwerpunkte der Werkbundarbeit in Rheinland-Pfalz dargestellt werden. Die Druckschrift soll als Online-Publikation über die neue Website des Werkbunds verfügbar gemacht werden. Für das Projekt wird ein Redaktionsteam benötigt.
Nach dem Wiedereintritt aller deutschen Werkbünde in den dwb e.V. sucht der Deutsche Werkbund einen geeigneten Ort für eine programmatische Klausurtagung, um seine Ziele als „Einheit in der Vielfalt“ prägnant zu formulieren und erkennbar zu machen. Der Vorstand schlägt vor, eine solche Tagung als Beitrag zum 30-jährigen Bestehen des Werkbunds Rheinland-Pfalz in unserem Bundesland auszurichten. Dafür wird ein Vorbereitungsteam gesucht.