Verkehr und Straße
Analysieren . Gestalten . Verändern
Wenn selbst der amtierende Baudezernent öffentlich feststellt und klagt, dass sich in Mainz die Rheinallee „zu einer brutalen Verkehrsstraße“ entwickelt hat, dann wird es – zumal dies auch in vollem Umfang für die Adenauer Allee, die Rheinstraße, die Weisenauer– und Wormser Straße – gilt — höchste Zeit, diesen Zustand zu ändern, dieser Krankheit zu Leibe zu rücken und eine Gesundung dieser Stadtwunde anzustreben.
Schon eine erste Analyse zeigt, dass das starke Verkehrsaufkommen und der Lastverkehr durch eine nicht rechtzeitig vorgenommene , die Uferzone der Stadt schonende und auf die Bewohner Rücksicht nehmende Verkehrslenkung dazu führte, dass sich auf dieser ufernahen Straßensehne ein ungezügeltes Verkehrsaufkommen und – vor allem in der Nacht – wilde Auto– und Motorrad-Rennen entwickeln konnten und ausweiten.
Es zeigt sich, dass der vor Jahren vorausschauend angelegte „Mainzer Ring“ nicht oder nicht ausreichend der damals zugewiesenen Aufgabe, den Verkehr aus der Stadt herauszuhalten, gerecht wird.
Nach dem dieser innerstädtische Schnellstraßenring der Autobahnverwaltung zugeführt und übergeben worden ist und insbesondere nachdem der rasch wachsende Verkehr der neuen Autobahnstrecke von Kaiserslautern nach Frankfurt eingeleitet und über diese inzwischen dreispurig angelegten Ringstrasse geführt wird, wird der von Fremdverkehr belastete Mainzer Ring zunehmend von stadtnahen und innerstädtischen Verkehrsteilnehmern gemieden und die ufernahe und die Stadt vom Ufer trennende Strasse von Weisenau bis zur Schiersteiner Brücke und Budenheim als Innenstadterschließungs– und als Durchfahrtsstraße genutzt und auch mit Lastwagenverkehr industriemäßig belastet.
Zudem wird deutlich, dass eine einzige innerstädtische Brücke für das Verkehrsaufkommen mit den Mainzer Vororten Kastel, Kostheim und mit der rechtsrheinischen Autobahn und Wiesbaden nicht ausreichend sein kann und den Verkehr zu sehr auf die Mitte konzentriert und die Zubringerstraßen auf beiden Seiten unnötig verkehrsbelastet.
Es ist höchste Zeit und dringend, neue und zukünftige Verkehrslösungen, die im zentralen Uferbereich weitere rheinüberquerende Verbindungen und einen Stop des Durchfahrtsverkehrs vorsehen, zu erarbeiten, zur Diskussion zu stellen und dann auch auszuführen, sodass das stolze Wort „Mainz am Rhein“ für alle Bereiche – Altstadt mit Winterhafen, Innenstadt mit Rathaus, Regierungsviertel mit Schloss und Neustadt mit Zollhafen – auch Wirklichkeit wird.
Eine vorausschauende und zukunftsgerichtete Stadtentwicklungsarbeit ist deshalb und gerade jetzt zu diesem Zeitpunkt so wichtig, weil das Zollhafengebiet bisher nur im jetzigen Zustand oberflächlich bebaut und überbaut werden soll und die Fragen nach Tieferlegung der Rheinallee, der Zufahrten für Tiefgaragen und das Errichten einer schon seit Jahrzehnten diskutierten und als dringend erforderlich betrachteten Rheinbrücke oder eines Tunnels im Zollhafenbereich ausgeklammert und umgangen werden.
Die Beseitigung der Verkehrsbarriere und das Heranführen „der Stadt“ an den Rhein ist nicht nur für die Neustadt und die Innenstadt wichtig und im wahrsten Sinne des Wortes lebensnotwendig, sondern auch für die Gestaltung und städtebauliche Klärung des Regierungsviertels – wofür ein städtebaulicher Wettbewerb vorbereitet wurde und durchgeführt werden soll – erforderlich und von grundlegender Bedeutung.
Schon jetzt könnte die Weisenauer Brückenabfahrt des Mainzer Ringes für die Zufahrt zur Innenstadt und Durchfahrt nach Mombach gesperrt und nur für eine Abfahrt nach Laubenheim und Nackenheim usw. freigegeben und genutzt werden.
Heute und jetzt müssen die Weichen für die Entwicklung der Stadt Mainz gestellt werden –für eine großzügige, menschenachtende, lebensvolle und heitere Stadt am Rhein, weitsichtig und mit Phantasie.
Kommentieren
