Stadt und Baum1

Begrü­nen . Beschüt­zen . Erleben

Wenn man von einem Baum spricht und an einen Baum denkt, dann denkt man an„ den Baum in Nach­bars­gar­ten“, an das Lied „..wo wir ins fin­den unter den Lin­den“ an Bäume im Park, auf Höhen und  an Alleen, –auch schon mal an das Sprich­wort „ den Wald vor lau­ter Bäume“ nicht zu sehen.

In Mainz sieht man an man­chen Stel­len vor lau­ter Bäume ganze Häu­ser­fron­ten und Bau­werke nicht mehr. Irgend­wie und – wann hat sich offen­bar die zeit­mo­derne Schlag­wort­for­mel:  „Baum ist grün, Grün ist gut = gleich Bäume in die Stras­sen“  so fest­ge­setzt, dass auch hier­für viel zu enge und zu schmale Stras­sen „zuge­bäumt“ und dschun­gel­ar­tig umge­formt wer­den .Bäume wer­den dabei zu dicht an Häu­ser­wände gesetzt und gezwängt, so daß sie kei­nen rich­ti­gen Lebens­raum fin­den und im rei­fen­den Alter sich ihre Lebens­kraft dadurch erkämp­fen müs­sen,  dass sie ihr Baum­kro­nen nei­gend und ihr „Rück­grad“ krüm­mend sich über die Strasse, wie z.B. an der Rhein­strasse, zu beu­gen gezwun­gen sehen. Woh­nun­gen wer­den ver­dun­kelt und die Ver­wal­tung bringt Schil­der an: „Anstossgefahr“.

Diese unüber­legte Baum­setz­ma­nie setzt sich auch dort fort, wo das Gesicht der Stadt geprägt wird  und die Stadt ihr Geschichts­be­wusst­sein zei­gen sollte, — ganze Fron­ten his­to­ri­scher Gebäude wer­den eben­falls „zuge­bäumt“ und  Ein­heit der alten Fes­tungs­stadt unkennt­lich gemacht. Städ­te­bau­li­che Stras­sen­er­wei­te­run­gen, die durch die Kriegs­zer­stö­run­gen mög­lich wur­den,- wie z.B. an der Gros­sen Blei­che -, wer­den durch Baum­set­zun­gen am frü­he­ren Stras­sen­rand wie­der besei­tigt und geschlos­sen. Die Strasse wird ohne Sicht­mög­lich­keit auf die frü­her baum­lo­sen Fron­ten der Häu­ser zu einer optisch schma­len und lan­gen Ver­kehrs­ader ohne cha­rak­ter­ge­ben­der Eigen­stän­dig­keit zurückgeführt.

Das sind zeit­be­dingte Ver­ir­run­gen und Gedan­ken­lo­sig­kei­ten, die einer his­to­ri­schen Stadt nicht gerecht wer­den und nicht gut zu Gesicht ste­hen, — die Stadt ist gut bera­ten, wenn sie in sorg­fäl­ti­gen Über­le­gen wie­der  die Bäume, so wie Gebäude, städ­te­bau­lich und funk­ti­ons­ge­recht behut­sam und gefühl­voll ein­pla­nen und baum­schüt­zend ein­set­zen würde. Mainz sollte sich ein Bei­spiel an andere his­to­ri­schen Städte neh­men , — Mainz sollte ihren Cha­rak­ter und ihr Gesicht bewah­ren und behalten.

7. September 2009
Autor: Hellmut Kanis