Eine Vision: Rheinburgen – Lebensraum der Zukunft
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Das Mittelrheintal zwischen Lorch/Bacharach und St. Goar/St. Goarshausen ist ein interessanter, vielseitiger und landschaftsverbundener Lebensraum – er stellt eine Art „Straßendorf“ mit Mittelstadtcharakter dar. Die Zukunft liegt im Zusammenschluss zu einer Landschaftsstadt „Rheinburgen“.
Dabei kann und darf der Rhein keine gegenseitig abschottende Grenze und kein schwer überwindbares Hindernis, sondern ein stadtbelebendes und bereicherndes Element darstellen.
Die Ufer auf beiden Seiten sind jetzt schon vielseitig mit Bahngleisen und Straßen erschlossen – traditionsgemäß gibt es zahlreiche Fähren. Aber noch fehlt das Miteinander, die gegenseitige Abstimmung, innerstädtischer Taktverkehr, ein ausreichendes Überqueren des Stromes.
- Es fehlt an einer „Mobilität von Morgen“, wie sie an Beispielen in Mettmann oder Ulm schon heute zu finden ist.
- Es fehlt an der schwebenden Leichtigkeit, den Strom an vielen Stellen zu überqueren, ein hüben und drüben, wo auch immer, zu ermöglichen.
- Es fehlt die „schwebende Straßenbahn“ – eine Schwebebahn des Stadtverkehrs, wie sie mit großem Erfolg schon eingesetzt worden ist und weiter ausgebaut wird – im fernen Algerien.
So ein Seil-Netzwerk aufzubauen ist besonders gut und kaum sichtbar in einer Talschlucht mit steilen Hängen, mit Kosten unter denen einer lokalen Brücke möglich. Ein Verbund der Haltestellen für Bahn, Fähren und Seilbahn und eine Taktabstimmung zwischen den Verkehrsträgern bei deutlicher Reduzierung des Autoverkehrs schafft ein Miteinander und Mobilität an vielen Stellen quer über den Rhein. Zur Ergänzung und für Zeiten, in denen der Auto-Fährverkehr eingestellt werden muß, kann eine Dreiseilbahn, die auch den Transport von je einem Auto ermöglicht, eingerichtet werden – so, wie es in diesen Tagen für die Seilbahn in Sotschi in Auftrag gegeben worden ist.

Diese Vision wurde inzwischen auch dem Deutschen Werkbund mit der Bitte um Diskussion und Abwägung zugestellt — dieses Durchdenken wurde zugesagt.
Von einer anderen Stelle brachte man in den letzten Tagen unter Hinweis auf Koblenz eine Touristen-Seilbahn zwischen neu zu erbauenden Großhotels auf beiden Seiten am Loreleyfelsen ins Gespräch — solche einseitigen und punkthaften Attraktionen töten die Idee einer beidseitigen, gemeinsam bewohnten und gestalteten Landschaftsstadt — die Loreley ist nur ein Teil des Welterbes Mittelrheintal — dieses Erbe muss von den Bewohnern und Planern als „Gemeinschaftssiedlung“ erkannt und anerkannt werden.
Die Diskussion um die Strukturen im Welterbe Mittelrheintal muss in der Tat geführt werden — gerade jetzt, wo das Land sich anschickt, eine Gebietsreform auf den Weg zu bringen. Dabei spielen fünf Loreleystädte eine Schlüsselrolle: Bacharach, Kaub, Oberwesel, St. Goar und St. Goarshausen. Diese fünf Städte im Herzen des Mittelrheintals oberhalb und unterhalb der Loreley liegen in drei Landkreisen. Sie blicken nach Ingelheim (Bacharach), nach Simmern in den Hunsrück (Oberwesel und St. Goar) und nach Bad Ems (Kaub und St. Goarshausen). In diesen fünf Städten werden drei verschiedene Lokalzeitungen gelesen. In diesen fünf Städten, jede nur 5 bis 7 km von der anderen entfernt, mit zwei Fähren zur Rheinquerung komfortabel ausgestattet, gibt es keinen Verkehrsverbund. Sie wissen nichts voneinander, stehen Rücken an Rücken und bilden doch in der Wahrnehmung der Besucher das Herzstück des Welterbes Mittelrheintal. Um diese fünf Städte einander zuzuwenden brauchen wir keine mechanischen Instrumente wie Brücken, Seilbahnen oder „schwebende Straßenbahnen“. Sie sollten administrativ und politisch EINE Stadt bilden mit FÜNF historischen urbanen Zentren von herausragender Identität und Qualität. Hier verspielt das Land Rheinland-Pfalz eine einmalige Chance, Kernidentität als Markenzeichen im Weltkulturerbe zu entwickeln. Die Bürger wissen das schon lange. Es wäre zu wünschen, daß diese Sehnsucht der Bürger diesseits und jenseits des Rheins auch im zuständigen Ministerim des Inneren ankommt. Es ist die Brücke in den Köpfen die fehlt, nicht die Brücke über den Rhein.
lieber Herr Kanis,
ich habe mal den Anfang gemacht, auf Ihre Kolumne zu antworten. Vielleicht entspinnt sich hier ja eine Debatte. Danke für Ihren Brief an Minister Lewentz, den dieser immerhin beantwortet hat. Mir antwortet er gar nicht, hat keine Zeit für ein Gespräch. Kann jemand Ministerpräsident werden wollen, der sich dem Gespräch mit engagierten Bürgern verweigert?
Es braucht in der Tat Visionen im Mittelrheintal, aber keine technischen mit Seilbahnen, Brücken oder schwebenden Straßenbahnen. Die nämlich würden das Tal wirklich ramponieren. In der Sache sind wir uns ja einig: Die fünf Loreleystädte müssen in einem Mittelrheinkreis zusammengefasst aufeinander zu, nicht von einander weg entwickelt werden, wie das absurderweise derzeit geschieht. Die Brücke fehlt nicht über den Rhein, sondern in den Köpfen — immer noch, obwohl doch bei jeder sich bietenden Gelegenheit dem Kirchturmdenken abgeschworen wird.
Die fünf Seiten aus der aktuellen „Denkmalpflege“ von Schüler-Beigang geben soetwas wie die offizielle Position der Denkmalpflege zum 10jährigen Welterbe Mittelrhein wieder. Da eröffnen sich ziemlich viele Baustellen für ein Werkbund-Engagement, von den Windrädern in der Pufferzone angefangen, über drei Luxushotels auf dem Loreleyfelsen bis eben zum Verkehr im Rheintal und dem administrativen Absurdistan der Kreise und Verbandsgemeinden. Man muss in den Siedlungskernen anfangen und die Landschaft als OUV (Outstanding Universal Value) im Sinne der UNESCO stabilisieren und entwickeln. Mit Ihren Vorschlägen zur rheinübergreifenden Bahnen schießen Sie da übers Ziel hinaus und tun Ihrer Absicht einen Bärendienst. Diese Bahnen sind nicht so dezent, wie ein Drahtseil es vermuten lässt. Das kann man in Koblenz sehen — obwohl ich diese Bahn zum Ehrenbreitstein dort richtig finde. Aber schon die Talstation vor der St. Kastor-Kirche zeigt, wie so etwas daneben gehen kann. Auch diese Gondeln sind nicht dezent, sondern schwebende Brocken. Es wäre schon viel gewonnen, wenn die vorhandene Eisenbahn mit ihren Bahnhöfen und die Fähren zu einem leistungsfähigen Verbund incl. der Schifffahrt und einem Fahrradverleihsystem entwickelt werden könnten. Davon ist man im Tal meilenweit entfernt.
Fordern wir lieber die leisen Lösungen.
Die lauten kommen von selber.
nix für ungut
und mit viel Sympathie für Ihren unermüdlichen Eifer.
Ihr, Emil Hädler