Gartenzäune am Wege 

V i s i o n . P l a n u n g . R e a l i t ä t

Wenn Hoch­schu­len, Insti­tu­tio­nen, Anstal­ten und andere Ein­rich­tun­gen, Fir­men und Per­sön­lich­kei­ten mit Erfol­gen und Leis­tun­gen den Namen der Stadt in die Medi­en­welt hin­aus­tra­gen, so die­nen sie dem Anse­hen und dem guten Ruf der Stadt.

Wenn ein Fuß­ball­ver­ein den Auf­stieg in die 1. Bun­des­liga schafft und sich dort ein­satz­freu­dig behaup­tet und erwäh­nens­werte Spie­l­er­folge ein­fährt, dann stellt dies eine beson­dere Wer­bung für eine Stadt dar, — ins­be­son­dere dann, wenn eine große und dis­zi­pli­nierte Fan­ge­meinde   ver­läß­lich das Spiel­ge­sche­hen beglei­tet, auch andere Ver­eine die sport­lich faire Atmo­sphäre aner­ken­nen und loben und sich die Mann­schaft mit ihrem Trai­ner als echte Sport­ge­mein­schaft vor­stellt und zeigt. So der Fuß­ball­ver­ein Mainz 05.

Wenn die­sem Ver­ein die lieb­ge­wor­dene und gewohnte Sport­stätte für den Andrang der Zuschauer und den damit ver­bun­de­nen Ein­nah­men zu klein gewor­den ist und die­ser an einem geeig­ne­ten, sich städ­te­bau­lich ver­bes­sern­den und gut erreich­ba­ren Ort eine grö­ßere Arena – neu und modern gestal­tet –mit eige­nen Mit­teln errich­ten will und muß, so fin­det die­ses Ansin­nen bei den Bür­gern der Stadt Zustim­mung und Unterstützung.

Aller­dings ist die Auf­gabe einer bewähr­ten und belieb­ten Sport­stätte nicht schmerz­frei und die Suche nach einem opti­ma­len Stand­ort nicht ein­fach und leicht.

Die Ver­la­ge­rung und Neu­an­sied­lung eines mar­kan­ten Bau­wer­kes ist städ­te­bau­lich zudem von gro­ßer all­ge­mei­ner Bedeu­tung und ver­langt sorg­fäl­tige Einordnungs-Überlegungen und –abwä­gun­gen, — bei Bau­wer­ken mit Massenbesuchs-Veranstaltungen vor allem und nicht zuletzt in ver­kehrs­tech­ni­scher Hinsicht.

Wenn man ganz all­ge­mein und auch hier­für recht­zei­tig vor­aus­denkt, die städ­te­bau­li­chen Zusam­men­hänge gewich­tet und bün­delt und die ver­kehrs­tech­ni­schen Pro­bleme, Belas­tun­gen und Ver­än­de­run­gen über­prüft und ein­be­zieht, stel­len sich Pla­nun­gen und Stadt­ent­wick­lun­gen meist logisch, klar und ein­fach dar.

Die  Rea­li­tä­ten sehen aber oft­mals – und so auch hier – ganz anders aus, — Grund­be­sitz, Ein­zel­in­ter­es­sen und zeit­be­dingte poli­ti­sche Kräf­te­ver­hält­nisse füh­ren nicht sel­ten zu sich abgren­zen­den „Brief­mar­ken­lö­sun­gen“ und dadurch auch zu heiß umstrit­te­nen und ver­teu­ern­den Ein­zel­pro­jek­ten, — womög­lich auf einem absei­ti­gen Zufalls­grund­stück — mit Schutz­zäu­nen für Fel­der und Wie­sen an den Zugangs– und Zufahrts­we­gen., — mit „Gar­ten­zäu­nen am Wege“.

Die­ser Mas­sen­be­suchs Weg ist, als breite, in die Kul­tur­land­schaft ein­ge­zwun­gene Erschlie­ßung­s­traße, vom Euro­pa­krei­sel bis weit in die Tiefe des bis­her für einen Fried­hof vor­ge­se­he­nen Grün­ge­län­des aus­ge­legt und auch schon asphal­tiert, — die Fun­die­rungs­pfei­ler sind eingerammt.

Aber auch zu die­sem Zeit­punkt und bau­tech­ni­schem Stand kann noch gefragt wer­den, ob nicht der Hochschulerweiterungs-Bebauungsplanteil vor der Fach­hoch­schule direkt an der Saar­straße, den der sei­ner­zei­tige Wis­sen­schafts­mi­nis­ter für ein for­schungs­na­hes Gewerbe vor­ge­se­hen hatte und der offen­sicht­lich nicht ange­nom­men wird und nicht belegt ist, für einen haupt­stras­sen– und  ver­kehrs­na­hen Sta­di­on­neu­bau genutzt wer­den sollte.

Wenn aber schon ver­trag­lich und bau­tech­nisch „unum­kehr­bare“ Tat­sa­chen geschaf­fen sein soll­ten, so sollte nicht ver­sucht wer­den, ein „Rotes Sta­dion“ schreie­risch doch noch irgend­wie als „Signal“ her­aus­zu­stel­len und so „von da hin­ten“ optisch her­aus­zu­ho­len, son­dern alles getan wer­den, um das – erfreu­li­cher­weise etwas in das Gelände ein­ge­senkte – Sta­dionge­bäude zurück­hal­tend und beschei­den in das umge­bende Grün­ge­lände ein­bin­den zu kön­nen. Ein paar schräg vor­ge­stellte „Boh­nen­stan­gen“- Rohre oder Seile — könn­ten dazu die­nen, daß ein Wein­pflan­zen­be­wuchs kurz­fris­tig hoch­wächst und ein mit Stolz und Selbst­be­wußt­sein getra­ge­ner „Grü­ner Hügel Mainz 05ent­steht und bald die Beliebt­heit wie der Bruch­weg erlangt, — daß eine land­schafts­ein­ge­bun­dene Beson­der­heit ent­steht – mainzgemäß.


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1. Dezember 2009
Autor: Hellmut Kanis