Die Stadt und ihre Straßen
Geschichte . Erinnerung . Bekenntnis
Wenn eine Stadt sich zu ihrer Geschichte bekennt und Erinnerungen pflegt, dann wird dies auch durch die Auswahl der Straßenbennungen und der Hinweisschilder sichtbar und deutlich.
Es ist deshalb höchst beachtenswert, wenn eine Hochschule sich bei der Beschilderung einer neuen und angrenzenden Straße bei der Namensgebung erfolgreich für eine Persönlichkeit einsetzt und diese auswählt, die Bezug zur Haltung, Geist und Richtung dieser Bildungsstätte verkörpert und ihr als Vorbild dient.
Besondere Anerkennung verdient auch das Stadtarchiv, dessen Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter in einer umfangreichen Fleißarbeit alle Straßennamen mit Namensgebungs-Hinweisen und Begründungen in einer Datenbank zusammengetragen und ins Internet – unter
„„www.mainz.de/Kultur/Geschichte/Straßennamen“
gesetzt und dadurch abrufbar gemacht haben.
Damit ist ein geschichtlicher Grundstock gelegt worden, der jederzeit ergänzt und erweitert werden kann, wobei z.B. dann auch geklärt und deutlich gemacht werden kann, dass es sich trotz der Geburtsortangabe „Warschau“ des bahnbrechenden Flugzeugkonstukteurs Jacob Goedecker um einen echten „Mainzer Bub“ handelt.
Und Mainz hat sich zudem eine Besonderheit bewahrt und — als eine deutsche Farb-Vereinheitlichung begann — durch einen Bürgerprotest zurückerobert und gesichert: die blauen Schilder parallel und die roten Schilder senkrecht zum Rhein.
Nicht jedem fällt dies auf, andere wissen nicht den Grund und fragen auch nicht danach und für manche wäre es ein Greuel, wenn man bunte Straßenbeschilderungen beliebig einführen und das Monopol „Das deutsche Straßenschild hat schwarze Schrift auf weißen Grund“ durchbrechen könnte. Aber Mainz hat alte Rechte und einen geschichtsträchtigen lebenserhaltenen Grund: es war eine mit engen Gassen durchzogene Festungsstadt, die durch Beschuss und Feuersbrünste stark gefährdet und in der die Orientierung bei Rauch und Nebel besonders schwer war. Ein kurzer und direkter Weg zum Löschwasser, d.h. zum Rhein war überlebenswichtig, also markierte man die Senkrechtzumrhein-Gassen im deutlichen Gegensatz zu den blauen Parallelstraßen rot — als wichtige „Feuerwehrstraßen“, die von Gerümpel und sonstigen Hindernissen freigehalten werden mußten.
Mainz hat so seine Eigenheiten – und sollte sie behalten.
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