Autobahn und Städte
Trennen . fahren . zuführen
Wenn man von einer Autobahn spricht oder an sie denkt, dann sieht man das blaue Schild vor sich, –links und rechts die getrennten Fahrbahnen: die Deutsche Autobahn, — einmalig, — unveränderbar.
Aber sie hat sich verändert: nicht mehr nur „100 Sachen“ ist gerecht zu werden, sondern Geschwindigkeiten weit über 200 km/Std sind zu bewältigen, — Leitplanken wurden nötig, hohe Verkehrsaufkommen erzwangen die dritte Spur, — zusammen mit den Standspuren entstanden so überbreite Schneisen in Landschaft und Flur, –zahlreiche Städte wuchsen und wuchern über die Autobahnen hinaus, — die Strassen wurden innerstädtisch.
Ursprünglich war die gestellte Aufgabe einfach, eindeutig und klar: die sorgfältig und einfühlend in die Landschaft eingebettete Autostrassen mit getrennten Fahrbahnen sollten – weit weg von Städten und Ansiedlungen (!!) – ganze Wirtschafts– und Ballungsgebiete miteinander verbinden, — die Städte sollten dabei gut angebunden sein.
So, wie jetzt die ICE-Trassen der Bahn – sollten lange Strecken mit hoher Geschwindigkeit schnell überwunden werden können, — die Zu– und Abfahrten in großen Abständen.
Dieses funktionsgerechte Grundprinzip wurde durch sich ausdehnende Städte und in Ballungsgebieten von zusammenwachsenden Städten gestört und ab Absurdum geführt: es entstanden, statt „freie Fahrt“ zu geben, eine Vielzahl von innerstädtischen Schnellstrassen, die mit übermässig vielen Ab– und Zufahrten in engen Abständen und mit der zusätzlichen (Wunsch) Aufgabe, den innerstädtischen Verkehr zu entlasten, befrachtet wurden. Einigen Städten wurden zudem noch neue Autobahnen zugeleitet.
Diese negative Entwicklung wird z.B. in Dresden und insbesondere in Mainz deutlich: hier übergab man einen, vor langer Zeit außerhalb der Stadt liegenden, vorausschauend geplanten Schnellstrassenring der Autobahnverwaltung, Stadterweiterungen übersprangen diese Strecke, eine neue Autobahn wurde aus Kaiserslautern zugeführt und eingeleitet, — das Verkehrsaufkommen wuchs sprunghaft. Dazu führt bei Bingen ein „Frankfurt“ ausweisendes Hinweisschild den Fremdverkehr auf die Anliegerstrecke A60 und in den „Mainzer Ring“. Stadt und Bewohner erleiden dauerhaften Schaden.Um so einer stark geschädigten „Durchfahrstadt“ das Atmen und Aufatmen wieder zu ermöglichen bedarf es einer Rückbesinnung auf das Grundprinzip des Autobahnbaues:
„ weit weg von Städten, — in die Landschaft eingebettet“.
Im Falle von Mainz bedeutet dies, dass die linksrheinische aus Richtung Koblenz kommende Autobahn A61 und die aus Richtung Saarbrücken/Kaiserslautern kommende A 63 bei Wörrstadt „abgefangen“, bei Nierstein/Oppenheim über den Rhein geführt und schließlich bei Gross-Gerau/Griesheim in das Ballungsgebiet Rüsselsheim, Frankfurt, Darmstadt eingeleitet werden sollte. Dieser Abfangpunkt bei Alzey/Wörrstadt könnte auch Anstoss für Überlegungen zum Ausbau des S-Bahn-Verbundes werden und sein. Der Niersteiner Brückenschlag würde den Verkehrsstau an der Brücke in Mainz-Weisenau auflösen, für das ganze Rheinhessengebiet sich auf die verschiedenen Zielorte verteilende Ab– und Zufahrten ermöglichen und der Wirtschaft zwischen Alzey und Worms einen zusätzlichen Aufschwung ermöglichen.
Mainz würde wieder eine „freie und eigenbestimmte Stadt“.
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