Archive for the ‘Allgemein’ Category
Die Ludwigsmeile
Mittwoch, August 10th, 2011Die Flaniermeile zwischen Schillerplatz, Dom und Theater
In Mainz wächst im Zentrum der Stadt ein Einkaufsbereich zwischen dem Bahnhof am Römischen Theater und dem Hauptbahnhof heran, der in manchen Bereichen ein südländisches Wohlfühl-Flair ausweist und nach weiteren Verweilzonen und Flaniermeilen verlangt.
Es fehlen nur noch eine liebevoll ordnende Hand und eine zukunftsgerichtete kleinteilige Gesamtplanung für diesen Teil der Innenstadt, – ein schlüssiger Plan der Stadt, der für Investoren interessant und nachvollziehbar ist und die Bereitschaft zum Einordnen weckt.Wie dringlich ein solches Durchdenken und eine Darstellung der vielseitigen Möglichkeiten sind und wie notwendig das Sichtbarwerden der Haltung und Selbstachtung und –erhaltung einer mit Recht stolzen alten Stadt ist, wird in diesem Wochen, in denen ein großes Kaufhausmanagement an sich „lebensspendend“, aber womöglich mit Großbauten versucht, in dieses Gefüge einzudringen, deutlich.
Dieses Eindringen in die städtebauliche Offenheit und die Einengung der Planung auf ein engbegrenztes Areal und einzelne Gesichtspunkte verkrampft und verhärtet die Diskussion auf ein Für und Wider bis hin zu einer Vielwortdurcheinander-Sprachlosigkeit, – noch ist es Zeit, ruhig und vorfestlegungsfrei die Fragen und Belange des Einzelhandels, der Kunden und Gäste und die Eingliederung von großen Einkaufshäusern und –zentren zu prüfen, zu sichten und abzuwägen und Varianten zeichnerisch zur Diskussion zu stellen.
Dazu gehören vorrangig auch die Fragen und Probleme der Mobilität, – dazu einiges unter www.dwbrlp.de@kanis-kolumne:
6.10.2009 „Stadt und Touristik“ , 17.11.2009 „Einkaufszonen. Einkaufsbereiche“
„Innenstadt. Einkaufsstadt“, 25.01.2011 „Stadtgedanken 72“, 01.02.2011 „Stadtgedanken 2011“
Auch Bezeichnungen und eine Langzeit bestehende Wortwahl müssen freigestellt werden, – es handelt sich bei den städtebaulichen Betrachtungen nicht um die Ludwig s t r a ß e , sondern um einen erlebnisreichen Fußgängerbereich vom Schillerplatz bis zum Fischtorplatz und dem Rhein, – einen sonnenhellen offenen Flanier– und Verweilbereich, – einer durch Bomben und Verwüstungen zusammenhängend ermöglichten milia passuum, einer „römischen Meile der tausend Schritte“.
Alte Stiche, Bilder und Fotos machen deutlich, wie eng vormals die ( Verkehrs– ) Straße und wie dunkel diese Schlucht zwischen hohen Häusern der Festungsstadt war, – durch eine in den letzten Jahren durchgeführte – weiter wachsende – Verbäumung und der dadurch markierten und abgegrenzten Busspurstraße hat „man“ rückwärtsgewandt, einem „freien Leben“ entgegenwirkend, nicht nur optisch sich einem alten Zustand wieder angenähert.
Noch kann man ahnen, welche Gestaltungsmöglichkeiten zwischen der jetzt bestehenden alten „Straßenkante“ und den zurückgesetzten „Blöcken“ gegenüber bestehen, – mit oder ohne Pavillons, mit oder ohne Überdachungen, – ob ein– oder zweigeschossig, – man kann sich bei einer sorgfältigen und menschbezogenen Planung und Gestaltung vorstellen, dass durch gärtnerisch gestaltete Freiräume und angrenzende durchlässige Verkaufsräume einerseits die notwendigen Querverbindungen entstehen und andererseits die sonnhellen und beschirmten Freiräume zum Verweilen einladen, – zu einem mainzgemäßen Leben.
Zu diesem Leben gehören auch benachbarte, behutsam umsorgte und einbezogene Ruhe– und Besinnungszonen und –bereiche, wie der Bischofsplatz. Die gegliederte Vielfältigkeit sollte erhalten bleiben und auch über eine „wohnlichere“ Ordnung des Platzes vor dem Gutenberg und dem Theater nachgedacht werden.
Nachgedacht werden sollte bei diesen Neuordnungsüberlegungen auch darüber, ob nicht doch der Busverkehr aus diesen Platz– und Flanierbereichen herausgenommen und umgeleitet werden kann.
Molter-Linnemann Architekten ausgezeichnet
Sonntag, April 17th, 2011Das Haus des Wassers in Kaiserslautern, entworfen von Molter-Linnemann Architekten BDA dwb, hat den Architekturpreis Rheinland-Pfalz 2011 erhalten. Mit dem Umbau des Wasserwerks Rote Hohl 2006 bis 2008 wurde die technische Funktion des Gebäudes erweitert: Es werden darin Informationen vermittelt über Wasser als Ressource, seine Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung. Darüber hinaus bietet das Haus des Wassers Raum für Ausstellungen, Seminare und Veranstaltungen.
Essenz des neuen Raumkonzepts von Molter-Linnemann Architekten ist es, ursprünglich abgeschlossene Räume in Beziehung zu setzen. Bewegungsflüsse werden durch Durchbrüche in der Vertikalen wie in der Horizontalen möglich. Türen, die gewöhnlich bündig einen Raum abschließen, rücken in das Rauminnere. Die Hierarchie der Räume verändert sich und neue Nutzungsmöglichkeiten entstehen.

Die Silhouette des Baukörpers ist bewusst niedrig ausgebildet. (Fotograf: Christian Köhler)
Stadtgedanken 2011 . Bestandsaufnahme . Zukunft
Dienstag, Februar 1st, 2011In einer vom Oberbürgermeister einberufenen Gemeinschaftssitzung aller Fachleute wurde 1972 in Mainz seitens des Städtebaubeirates plakativ das „Rohrpostsystem“ zur Diskussion gestellt:
- Der Fernverkehr auf der Autobahn im deutlichen Abstand von den Städten als Verbindung zwischen den Ballungsgebieten.
- Die Zubringer die den Zielverkehr von diesen Fernverkehrsstraßen, den Autobahnen, in „Röhren“, d. h. in lärmabgeschirmten Schnellstraßen in die jeweiligen Städte bringen – mit „Auffangkörben für die Blechkapseln“ am Ende, d. h. mit jeweils direkter Ein– und Zufahrt in Parkhäuser.
- Der Stadtverkehr der in einem innerstädtischen Kernbereich ohne Lastwagenbelastung und weitgehend auch ohne Personenwagenzulassung ausgewiesen und auf anderer Art mobilitätsintensiv ausgebaut wird.
Im Herbst 2010 – fast 40 Jahre nach diesen Richtlinien für eine zukünftige Stadtentwicklung und Verkehrstrukturen für Mainz suchenden Sitzung – zeigte der Südwestfunk in einer eindrucksvollen nano–Spezialsendung Möglichkeiten für eine „Mobilität von Morgen“ und berichtete von gelungenen Beispielen – in anderen Städten.
Zunächst wird die Frage aufgeworfen, wo es sich lohnt, zu investieren, wenn man eine „Mobilität von und für Morgen“ auch tatsächlich erreichen will, und die Feststellung getroffen, dass die Straße hierfür keine zukunftsgerechte Perspektive biete und dass nur die Bahn noch Reserven habe und ausbaufähig sei – allerdings bei entsprechender – politischer – Weichenstellung: weg von einer weiteren alleinigen prestigesüchtigen Höchstgeschwindigkeits-ICE-Förderung, abgesehen von internationalen Verbindungen und technischer Vereinheitlichung, hin zur „Bahn für viele“ und taktmäßiger Vernetzung des Nahverkehrs auch in der Fläche – bis hin zur Reaktivierung stillgelegter Strecken.
Am Beispiel Mettmann wird gezeigt und bewiesen, dass es bei einer konsequenten Planung in Gemeinschaft möglich ist, auch „die Fläche“, die bisher nur mit dem Auto erreichbar war, anzuschließen und in den städtischen Nahverkehr von Düsseldorf mit einzubinden. –gegenüber Busanschlüssen mit einer hohen Nutzungssteigerung.
Dass es daneben auch einen eigengesteuerten Individual-Fahrverkehr geben kann, zeigt das in Ulm praktizierte Beispiel: hier stehen dem Nutzer Elektro-Mobile, die an verschiedensten Stellen der Stadt stehen und mit dem Handy geortet, mit einem Chip übernommen und nach der Nutzung „irgendwo“ wieder verlassen und abgestellt werden können, zur persönlichen Verfügung.
Für den Berichterstatter, der für den Mittelrhein – und darüber hinaus – seit längerer Zeit eine „schwebende Straßenbahn“ vorgeschlagen hat und weiterhin vorschlägt, ist es besonders erfreulich und befriedigend, dass auf ein Beispiel in der nano–Sendung hingewiesen werden kann, bei dem eine ganze Stadt höchst wirtschaftlich und effektiv neben Bussen und Bahnen erfolgreich mit einer Seilbahn erschlossen wird – in Algerien.
Und was tut sich in Rheinland-Pfalz, in Rheinhessen – in Mainz?
Stadtgedanken 72 . Rückblick . Vorausblick
Dienstag, Januar 25th, 2011Im Jahre 1972 standen wieder einmal die Verkehrsprobleme der Stadt in der Diskussion, –Straßenbau-Ingenieure legten Pläné vor, die sogenannte – autobahnähnliche – „Stadtkerntangenten“ bis ins Kerngebiet der Innenstadt vorsahen, -
der Städtebaubeirat stemmte sich in einer öffentlichen, vom Oberbürgermeister einberufenen Sitzung dagegen:
„Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren !
Städtebau lebt von dem Mut, Zielvorstellungen zu formulieren und f e s t z u l e g e n, Städtebau lebt von dem Vermögen, Erkenntnisse grundsätzlicher Art auf örtliche Eigenheiten und Gegebenheiten zu übertragen.
Mainz hat durch die nunmehr vorliegende umfassende Vorarbeit der Arge regioplan-Kocks-Ingenieure Unterlagen geschaffen, die es ermöglichen, Planvorstellungen durchzuspielen und überprüfbar zu machen.
Dies scheint uns der geeignete Zeitpunkt zu sein, verkehrstechnische Fragen aufzugreifen und in einen Gesamtzusammenhang zu stellen.
Der Städtebaubeirat begrüßt es deshalb sehr, dass Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, an dem erbetenen Fachgespräch mit Ingenieurbau-Fachkollegen zusammen mit Herrn Bürgermeister Letroid und den Herren der Verwaltung teilnehmen.
Gestatten Sie mir bitte. dass ich als Sprecher des Städtebaubeirates die gemeinschaftlich erarbeitete Meinung, die natürlich bei den uns zur Verfügung stehenden Unterlagen und Mitteln nicht bis in die Detailpunkte geklärt sein kann, wie folgt vortrage:
Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung steht als Punkt 1 die Problematik über ein seit Wochen in der Presse wieder stark diskutiertes Teilstück einer geplanten innerstädtischen Straße, der sogen, „Stadtkerntangente“ –
es steht damit das Problem der „Straße in der Stadt“ ganz allgemein zur Diskussion.
Schon vor Jahren wurde in der Universität Mainz ein Farbfilm unter dem Titel:
„Die Straße – Problem Nr.1“ gezeigt –
nur,
Problem Nr.1 ist nicht die Straße, sondern die lebensfähige, die pulsierende Stadt – Problem Nr.1 ist das Wohnen, das Leben und das Arbeiten der Menschen in einer Stadt.
Neben dem vordringlichen Problem, den Menschen in einer Stadt angemessene, ansprechende – dienende – Nahverkehrsmittel zur Verfügung zu stellen, ist eines der anderen Probleme, eine funktionsgerechte und funktions f ä h i g e Ordnung der Adern, der Verkehrsadern, auch für den Individual-Verkehr – eine d i f f e r e n z i e r t e Ordnung der Straßen zu schaffen und ihnen verschiedenen Aufgaben zuzuweisen.
Die Bezeichnung „Straße“ ist deshalb zunächst nur ein Sammelbegriff für ganz verschiedenen Arten von Straßen – bis hin zu dem Bereich, der ganz dem zu Fuß gehenden Bürger und den Kindern zugeordnet ist.
Neben diesem Bekenntnis zur Urbanstraße – zur Verschnauf– und Einkaufsstraße – muss aber auch deutlich der Hinweis stehen, dass natürlich das von uns allen so gern genutzte Individualfahrzeug, das Auto, so, wie wir es heute kennen, jetzt und in überschaubarer Zukunft seine Existenzberechtigung – mit all den sich daraus ergebenden Folgen und Konsequenzen – hat und haben wird.
Wir wissen, dass die Erfindung dieses Privatfahrzeuges in der zweiten Phase mithalf, ein Abstandsprivileg der Obrigkeit, der Herrschenden, der Reichen und Bevorzugten abzubauen und allen „Auchbesitzern“ erst die volle individuelle Bewegungsfreiheit und damit ein bis dahin nicht gekanntes Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit – zumindest dem Anschein nach – zu geben, ein Stück Unabhängigkeit, auf das in vielen anderen Ländern – obrigkeitsbedingt – noch mit Sehnsucht gewartet werden muss.
Wir gehen also von der Voraussetzung aus, dass das individuell zu bedienende und zu lenkende Eigen– oder Leihfahrzeug beherrschend bleiben, dass es technisch verbessert werden und sich zahlenmäßig noch vermehren wird.
Wir brauchen demzufolge heute und in der Zukunft die hierfür geeigneten,
g e f a h r e n a r m e n Straßen – wir brauchen auch im vermehrten Maße die “autogerechte” Straße. Die in letzter Zeit zu hörende Forderung nach einer „autogerechten Stadt“ zeugt dagegen lediglich von einer völlig verwirrten und irrigen Vorstellungs– und Begriffswelt.
Lassen Sie uns bitte – und die anwesenden verehrten Straßenbau-Fachkollegen mögen gütigst verzeihen – den Sammelbegriff „Straße“ aus der Sicht der Architekten unterteilen:
- in die Gruppe der Straße für Fußgänger,
- in die Gruppe der Normalstraßen, die allen Belangen dient und
- in die Gruppe der Autostraßen, die die alten Reisestraßen und Handelswege ersetzt.
Welche Bewunderung für Ingenieurleistungen und für die Gestaltungskraft beteiligter Architekten empfindet der, der sich über die breiten, frei sich präsentierenden Bänder landschaftseingebundener Autobahnen mit ihren Viadukten z. B. im Teutoburger Wald oder über die neuen Teilstrecken in unseren Land tragen lässt. Diese von jeder Randbebauung freigehaltenen. für schnelle Fahrzeuge ausgelegten, landschaftseingebundenen Autostraßen verbinden Ballungsgebiete. Dort dringen sie in diese ein, sie werden zu Umgehungsstraßen, zu Stadtautobahnen und zu Stadtringen -
sie lösen die bisher durch die Stadt h i n d u r c h geführten Landstraßen, die in der Stadt Marktplatzstraßen und Handelsmittelpunkte waren, konsequent und aufgabenteilend ab.
Aber diese neuen Schnellstraßen – und das muss klar erkannt und bekannt werden – sind Trennungslinien und Trennungsstreifen – sie trennen Städte und Stadtteile voneinander.
Diese modernen „Landstraßen“, die geschlossene und zusammengehörige Stadtgefüge meiden sollten, können nicht gleichzeitig die Aufgabe übernehmen, Autos rasch und zeitlich berechenbar als Zielverkehr in dicht bebaute Zentren oder Stadtkerne hinein oder von dort herauszuführen – es muss die das Stadtgefüge nicht störenden oder zerschneidenden – womöglich sogar verdeckten – Zubringerstrecken bis an Verteilerstraßen und Stadtringe heran geben –
der Idealfall wäre, wenn dann hier alle „Landkutschen“ in Parkhäusern – ähnlich einer „Rohrpostanlage mit Auffangkorb“ – aufgefangen und stehen bleiben könnten und müssten.
Von hier aus müssten reichlich Nahverkehrsfahrzeuge verschiedenster Art oder innenstädtische Individual-Kapseln, z. B. in Form von Elektro-Leihwagen, zur Verfügung stehen – nur luftverschmutzungsfreie Fahrzeuge dürften zugelassen werden.
Leider müssen wir wohl aber noch auf lange Sicht davon ausgehen, dass die Fernfahrzeuge auch auf die innerstädtischen Allgemein-Verkehrsadern übergeleitet und hereingelassen werden müssen, aber es sollten zumindest alle mögliche Anreize geboten werden, damit diese Fahrzeuge – durchaus citynah – stehen gelassen werden können.
Das innerstädtische Straßengefüge sollte auch breite Fahrstrassen beibehalten – aber auch diese sollten so sein, dass bei der nötige Geschwindigkeitsbeschränkung eine Atmosphäre herrscht, bei der/die Autofahrer/in generös mit einer Handbewegung dem Fußgänger auch einmal außerhalb eines bezeichneten Übergangs den Vortritt lassen -
alle Durchfahrhektik und grimmige Fernziel-Strebigkeit sollten abgebaut und ausgeschlossen, die Straßen am Rhein – Rheinallee und Rheinstraße – sollten streng vom Fern– und Durchfahr-Verkehr befreit werden.
Wenn wir nach diesen allgemeinen Vorbetrachtungen unsere Stadt unter diesen Leitbild
– Zubringerstraßen mit je einem Parkhaus am Ende und
Nahverkehrsanschluss –
anhand der vorliegenden Skizzen betrachten, so wird deutlich, dass wir auch die rechtsrheinische Seite mit Kastel und Kostheim in die Betrachtung mit einbeziehen müssen. Wir müssen sichern, daß ein Stadtgefüge am Strom heranwachsen kann, das ein fast einmalig günstig gelegenes Erholungs– und Grüngebiet beidseitig des Stromes und auf Inseln im engsten Citybereich hat.
( Es folgen Beispiele, die das vorgeschlagene „Rohrpost-System“ – Zubringerstraßen mit jeweils einem Parkhaus und Nahverkehrsanschlüsse am Ende – näher erläutern .)
Bevor weitere Einzelheiten und Einzelfragen dargelegt werden, darf ich unsere heutigen Gesprächspartner, insbesondere unsere Ingenieur-Kollegen, bitten, ihr fachliches Wissen und ihre Erfahrungen in eine offene, der Sache und der Stadt dienenden Diskussion einzubringen. Wir meinen, dass alle, womöglich seit Jahren vorliegenden Planvorstellungen vor der Freigabe der Ausführung in einem Kreis, wie heute, nochmals diskutiert und im Hinblick auf dem Stand der heutigen Technik überprüft werden sollten, wir sind sicher, dass in solchen gemeinsam geführten Gesprächen wertvolle Erkenntnisse, gegenseitiges Verstehen und auch Übereinstimmung gefunden werden können.
Ich danke Ihnen für Ihre Geduld des Zuhörens.“ ( Hellmut Kanis )
Städtebau lebt von Weitblick und dem Mut, Visionen und Zielvorstellungen zu konkretisiere. Städtebau lebt von dem Willen und Vermögen, in die Zukunft weisende Erkenntnisse aufzunehmen und auf die örtlichen Gegebenheiten zu übertragen.
In einer aufrüttelnden Spezialsendung – „NANO spezial“ – des Südwestfunks im Herbst 2010 wird anhand von ausgeführten Beispielen gezeigt, wie man eine „Mobilität von Morgen“ sichern und ermöglichen kann, – in Städten, Gemeinden, Landschaft und Flächengebieten. Darüber ist noch zu berichten und zu fragen, inwieweit und wo diese Gedanken inzwischen umgesetzt und verwirklich worden sind und ob Mainz mit seinem Umland darauf vorbereitet ist oder schon diesbezüglich – zumindest planerisch – Vorsorge getroffen hat.
Die Bahn und das Rheintal — Notwendigkeit . Verträglichkeit
Dienstag, November 23rd, 2010Wenn man die Karte von Europa ansieht, wird deutlich, dass eine leistungsfähige Transportverbindung zwischen Rotterdam und Genua eine Notwendigkeit darstellt.
In diesen Tagen zeugten Bilder und Berichte von dem höhengenauen Durchstich der Tunnelröhren tief unter dem Gotthard von hoher Ingenieurkunst und –können und von der Willenskraft der Erbauer — Europa wächst auch hier weiter zusammen.
In wenigen Jahren wird – da die optimistischen Zielvorgaben bei der Absicht, „Güterverkehr von der Straße auf die Schiene“ zu bringen, nicht erreicht werden, da weiterhin der Straßenlastverkehr zunehmen und auch ein erhöhter Einsatz von Schiffstransporten nicht wesentlich zu Buche schlagen wird – vor allem der Güterverkehr auf der Schiene, dazu verstärkt durch die Freigabe des Gotthardtunnels, weiter zunehmen und das Rheintal gesteigert belasten.
Dem Gedanken und Vorschlag, diesen Verkehr aus dem Tal herauszunehmen, Schnelltrassen mitzubenutzen oder eine neue Gütertrasse anzulegen, stehen bahntechnische Schwierigkeiten entgegen:
Die ICE-Trasse über Montabauer ist nicht für die Güterlasten vorgesehen und ausgelegt, und eine Gütertrasse daneben scheitert an den für Güterlasten ungeeigneten Steilstrecken bei der Überwindung der Höhenunterschiede.
Der Gotthardtunnel ist aus gutem Grund ein Flachstreckentunnel.
Solange nicht ähnliche flache Berg-Tunnel-Lösungen denkbar und machbar sind, bleibt der Schienenverkehr auch weiter im Tal und damit die Frage nach Verträglichkeit bestehen –
die Frage, wie kann man die Verkehrsbelastungen reduzieren und die Menschen und das Welterbe-Tal vor zusätzlichem Lärm und Durchfahrverkehr schützen.
Diese ganze Problematik hat das vom Deutschen Werkbund Rheinland-Pfalz mitgegründete „rheinkolleg“ – mit Sitz in Speyer – auf seiner 14. internationalen Jahrestagung im Jahre 2006 in Bacharach ausführlich und fachlich hochrangig besetzt behandelt – die Dokumentation dieser Tagung „Welterbe zwischen Strom und Schiene“ mit den Beiträgen:
- 10 Jahre nach der Rheintalkonferenz
- Politik für Lärmschutz und –vermeidung
- Schienverkehrslärm halbieren
- Lärmarme Schienfahrzeuge
- Die Güterwagen der Zukunft
- Der Gotthardbasistunnel
- Niederlande setzen auf innovativen Lärmschutz
- Geologie des Mittelrheintales
- Ortsbilder am Mittelrhein
- Hofstrukturen schirmen Lärm ab
- Rheintunnel bei St. Goar
- Loreley – Leitprojekt für das Mittelrheintal
stand und steht unter dem Aufruf: „Das Mittelrheintal ruft um Hilfe“.
( Herausgeber: rheinkolleg e.V. , Maximilianstraße 100, 67346 Speyer Internet: www.rheinkolleg.de,info@rheinkolleg.de )
Die Fragen und Probleme bestehen noch heute und einschneidende Lösungen lassen auf sich warten — aber manche Bemühungen um Hilfe werden sichtbar oder angekündigt:
Die EU will ein Bonussystem für „leise Waggons“ einführen, der Verkehrsminister von Rheinland-Pfalz fordert ein Trassenpreissystem und das Bundsverkehrsministerium hat in der letzten Woche 7,5 Millionen Euro freigegeben, damit zunächst 1260 Wagen umgerüstet (?) werden können.
Solche durchaus erfreuliche Meldungen und Maßnahmen lösen aber nicht das Grundproblem: das von verschiedenen Seiten angesprochene Hauptproblem mit dem scheppernden Gestängebremsen der „Waggons aus der Kaiserzeit“ ist nicht nur ein deutsches, sondern ein europäisches Problem: Tausende alte und technisch überholte Güterwagen werden von allen Ländern in Europa auf die Schiene geschickt — nicht zu letzt von den „armen Ostländern“.
Da hilft kein Bonus– oder Preissystem — da hilft nur ein generelles Fahrverbot für alle diese Altwagen – durch die EU.
Bis der Ausbau des Gotthardtunnels beendet sein wird, haben die Länder genügend Zeit für eine Anschaffung moderner und technisch auf neuestem Stand befindlichen Transportwagen.
Die Kosten für die Konstruktion und den Bau neuer Waggons mit modernen Bremsen sind im Vergleich zu den Kosten des Gotthardtunnels gering. Die EU sollte eine entsprechend Lärmminderungsaktion ausrufen und alle Länder, je nach Bedarf, finanziell unterstützen.
Aber auch Schutzmaßnahmen, wie streckenweise Untertunnelungen – z.B. die seit 1912 immer wieder geforderte und planerisch in mehreren Varianten seit viele Jahren erarbeiteten Vorstellungen für eine Untertunnelung vor Rüdesheim – sollten ohne weiteres Zögern als eine der wichtigen europäischen Aufgaben in Angriff genommen werden –
es sollte eine Verträglichkeit mit den Verkehrsträgern angestrebt und durchgesetzt werden.
Welterbe Mittelrhein . Erhaltung und Zukunft
Dienstag, November 9th, 2010Wenn eine Region oder ein ganzes Tal als Welterbe eingestuft und anerkannt wird, dann wird insbesondere auch anerkannt, dass die Bewohner und die Verantwortlichen verstanden haben, diese Landschaft und den Lebensbereich unverfälscht und sorgsam zu erhalten — es bedeutet nicht, den derzeitigen Zustand festzuschreiben und ein für alle Mal gänzlich unverändert zu belassen — es sollen sicher keine „verstaubten Museen“, aber auch keine „lustigen Disney-Landschaften“ entstehen.
Wenn man sich also der Zukunft, der Technik und der Entwicklung nicht verschließt, dann sollte überlegt werden, wie man alte Strukturen erhalten und neue Techniken einsetzen, wie man den ansässigen Menschen Existenzsicherheit geben, wie man sich heutiger Techniken bedienen und trotzdem den Charakter der Landschaft erhalten undwie man den Gästen und Touristen ohne Hektik, Rummel und Oberflächlichkeit das Erlebnis„Mittelrhein“ anbieten und nahebringen kann.
In unserer schnellebigen Zeit verlieren sich rasch und allzu leicht Gründlichkeit, Entspanntheit und Gelassenheit — viele haben dies erkannt, und so zeigt sich auf der anderen Seite, dass auch wieder „Zonen der Ruhe“ gesucht werden.
So werden die inzwischen sorgfältig, landschaftsgerecht und erlebnisreich angelegten Wanderwege am Rhein und die Forst-Führungen gern und im steigenden Maße angenommen.
Weitere Themen, Gedanken und Vorschläge, die das Tal am Mittelrhein als freundliches Gastland ausweisen und Gäste zum Verweilen einladen, sollten gründlich und in Gemeinschaft diskutiert und durchdacht werden — wie z.B.:
Aktion Betten am Rhein
Vier-Tage-Erlebnisbesuche
Burgen und Schlösser
Steilhang, Wein und Winzer
Konzerte, Ausstellungen, Veranstaltungen
Boot– und Zubringerdienste
Schiffe und Fähren
„Straßenbahn“, Gondeln und Schwebebahn
Bähnchen und Tourismus
Leihräder und Behindertenfahrzeuge
„Tante-Emma-Läden“ und Versorgung
Die Eisenbahn. Sonderzüge
Bahnhöfe, Parkplätze, Anlegestellen
Kongresse, Studium und Schulung
Flughäfen und Zubringerdienste
Werbung, Information und Vermittlung
Es gibt darüber hinaus sicher noch eine Fülle von praktikablen Anregungen und Vorschlägen, die erbeten und gesammelt werden können.
Die in Mainz und Koblenz gedruckten Zeitungen und die Ortsblätter sollten dafür offenstehen und sich als Mittler zur Verfügung stellen.
Der in der letzten Kaniskolumne vorgeschlagene „Sichtungskreis“ sollte bald eingerichtet werden, regelmäßig tagen und „sichten“ und die eingebrachten Ideen zusammen mit den Bewohnern, Anliegern und Interessenten zur Reife bringen und dann auch die Durchführung begleiten.
Wenn für ein zukunftsgerechtes Denken eine echte diskussionsfreudige Mittelrhein-Gemeinschaft eine Selbstverständlichkeit wird, so wird auch bald eine die ganze Region belebende und für Gäste und Besucher spürbare und nötige Aufbruchstimmung entstehen.
Das Mittelrheintal hat Zukunft.
Das Mittelrheintal. Mensch und Landschaft
Dienstag, Oktober 26th, 2010Das mitten in Europa liegende und zum Welterbe erhobene Teilstück des Rheins zwischen den Ballungs– und Wirtschaftsgebieten Mainz und Koblenz stellt ein weltweit bekanntes und besungenes Kleinod einer romantisch und idyllisch geprägten landschaftlichen Einheit mit Fluss, Felsen und weinbepflanzten Steilhängen dar — das Lied von der Loreley kündet davon.
Zu dieser markanten ungestörten Landschaft der Romantik gehören die Menschen, die kleinteiligen Dörfer, Gemeinden, Städte und die Vielzahl der Burgen — aber auch die Schiffer und die Fähren, die Straßen und Bahnen beidseits längs des Stromes — am Anfang und Ende dieser Strecke mit Straßen– und Autobahnbrücken in den Ballungsgebieten.
Zwischen diesen Gebieten der Schnelligkeit und wirtschaftlichen Konzentration im Norden und Süden liegt ein Gebiet landschaftlicher Kraft und Schönheit, ein Gebiet der Gelassenheit und eines ruhig fließenden Stromes — ein Gebiet, das auch dem eiligen Fahrer beim Übersetzen einige Minuten der Entspannung und der Ruhe abgewinnt.
Und auch wenn die Bahn, insbesondere der Gütertransportzug, die direkte Nachbarschaft im wahrsten Sinne des Wortes aufrüttelt und mit Fahrlärm belästigt, so gehören die Tunnel und engen Steckenlinien an Felsen und Straßen auch optisch doch irgendwie dazu.
Es handelt sich um ein Gebiet, das einer immerwährenden behutsamen Pflege und sorgfältig überlegten Angleichung an die Entwicklung unserer Zeit bedarf, — es handelt sich um ein von Abwanderung bedrohtes Gebiet zwischen Erhaltungspflicht und Zukunftsstärkung.
Um die Lebens– und Existenzfähigkeit der Menschen am Strom über Generationen hinaus zu sichern und auszubauen und damit zu ermöglichen, das Welterbe zu erhalten, ist abzuwägen und zu fragen, wie und wovon leben die Bewohner des Tales, welche Altersstrukturen sind in den verschiedenen Gemeinden zu finden und zu erwarten, welche Aktivitäten, Künstler und Galerien sind vorhanden, welche eigenständige lebensgerechte Ortsbilder bestehen und sind zu schützen und zu erhalten, welches Miteinander besteht zwischen den Gemeinden, welche Kindergärten, Schulen, Gymnasien und sonstige öffentliche Einrichtungen stehen für die Bewohner offen oder sollten für sie zur Verfügung stehen.
Es ist aber auch zu fragen, welche spürbare und wirkende Bereitschaft und welches Engagement, den Ort, die nahe Umgebung und die Landschaft des gesamten Tales zu hegen und zu pflegen, bei den Bewohnern und den Bürgermeister/innen zu finden ist — es ist auch zu fragen, ob und wie Touristen und Gäste willkommen geheißen und mit wie viel Phantasie und Liebe die örtliche Vielfalt und die Landschaft dieser Flußregion diesen erschlossen und nahegebracht werden.
Diese Darstellung und Darbietung des Welterbes Mittelrhein kann nur in Gemeinschaft und Miteinander und gegenseitiger Abstimmung und Ergänzung der Gemeinden Früchte tragen und über gelegentliche Veranstaltungshöhepunkte hinaus langfristig wirksam werden — gewohnte Wege müssen überprüft und womöglich verlassen, neue Ideen müssen eingebracht und voll Frische und Freude realisiert werden.
Es ist fragen, wie der hierzu nötige Optimismus und Élan geweckt und gestärkt und mit welcher gemeinsam getragenen Kraftanstrengung die Wirtschaft und die Lebensfähigkeit der Region so gefestigt werden kann, dass viele Menschen hier ihre Existenz finden und behalten können.
So eine Kraftanstrengung zum Wohle dieser als Welterbe ausgezeichneten Landschaft am Mittelrhein bedarf dazu auch eine angemessene Unterstützung vom Bund, dem Land und darüber hinaus der EU.
Das Land Rheinland-Pfalz ist sich dieser Aufgabe voll bewusst und hat erkannt, dass den Bewohnern und den Gemeinden mit existenzsichernden Maßnahmen und Hilfen beigestanden werden muss –es ist bereit, auch finanzielle Hilfe zu leisten und hat selbst einen ersten Vorschlag zur Belebung — eine Überbrückung – eingebracht und zur Diskussion gestellt.
Bei diesem, gedanklichen Ringen um Erhaltung, Existenz und Zukunft sollten vor allem und verstärkt die Menschen und Bewohner des Tales mit einbezogen und gehört werden — es ist ihre Zukunft.
Es werden in großer Breite viele und unterschiedliche Maßnahmen durchzuführen sein — Einzelmaßnahmen können nur im Verbund und Bündel mit vielen anderen Einrichtungen dem Gesamtbereich dienen.
In diesem Sinne und unter dieser Voraussetzung sollte offen und aufgeschlossen — auch über den schon eingebrachten Gedanken und Vorschlag, einer festen mittigen Überquerung des Stromes — diskutiert und in diese Gesamtsicht die Nützlichkeit und Zukunftsperspektive für die Menschen und Bewohner abgewogen werden.
Vor den Menschen des Tales steht ein Winter der Gedanken und der Vorschläge und der Ideen und Visionen — von womöglich zunächst auch utopisch erscheinenden Visionen.
Für dieses Suchen und Finden sollten alle Fachverbände und Vereinigungen und nicht zuletzt alle flussnahen Hochschulen mit ihren Studentinnen und Studenten eingeladen und beteiligt — ein ständiger „Sichtungs– und Lenkungskreis“ sollte eingerichtet und schwergewichtig besetzt werden.
Es gilt, ein Welterbe zu erhalten und zukunftsgerecht weiterzuentwickeln und zu gestalten — eine Aufgabe unserer Zeit.
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Freitag, Juni 5th, 2009Diesmal hat er daran gedacht.
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Freitag, Juni 5th, 2009Bei dem der User vergessen hat, auf den Upload-Button zu drücken.
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Freitag, Juni 5th, 2009Sollten wir auch noch erlauben, oder?
weitere diskussion
Mittwoch, Juni 3rd, 2009ist nötig






