Zur Gestaltung des Stadions Mainz 059

Der Werk­bund Rheinland-Pfalz unter­stützt grund­sätz­lich die Bestre­bun­gen von Mainz 05 nach einem neuen, zeit­ge­mä­ßen Sta­dion, das erfor­der­lich ist, um den sport­li­chen und wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen des Pro­fi­fuß­balls in der Lan­des­haupt­stadt Mainz gerecht zu wer­den – wenn­gleich es ange­sichts der Finanz­lage der Stadt der Neu­bau wich­tige Inves­ti­tio­nen in den Brei­ten­sport behindert.

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Der Werk­bund Rheinland-Pfalz hat in Pres­se­er­klä­run­gen deut­lich gemacht, dass der neue Stand­ort auf­grund sei­ner insu­lä­ren Lage für ein Sta­dion aus städ­te­bau­li­cher, ökolo­gi­scher und vor allem aus land­schafts­pla­ne­ri­scher Sicht nicht geeig­net ist.

Der Werk­bund Rheinland-Pfalz nimmt zur Kennt­nis, dass der Stand­ort im poli­ti­schen Kon­sens gewollt wird. Dies zeigt sich in der Tat­sa­che, dass das Bebau­ungs­plan­ver­fah­ren nahezu abge­schlos­sen ist. Der erste Spa­ten­stich ist erfolgt, die Umset­zung des Vor­ha­bens hat begonnen.

Am 3. Juni 2009 lüf­tete die Stadt Mainz und der Ver­ein das Geheim­nis um das Aus­se­hen der Coface-Arena, in der die 05er ab der Rück­runde der Sai­son 2010/11 spie­len wol­len. „Vier Tri­bü­nen, ein Spiel­feld, gleich Mainz 05“, beschrieb Archi­tekt Ste­fan Nix­dorf das Aus­se­hen der neuen Heim­stätte des Fußball-Bundesliga-Aufsteigers.

Nach Auf­fas­sung des Werk­bun­des Rheinland-Pfalz ist es nun­mehr die wesent­li­che Auf­gabe, sich vor­aus­bli­ckend der Umset­zung des neuen Sta­di­ons hin­sicht­lich einer qua­li­tät­vol­len Ein­bin­dung in den Stadt– und Land­schafts­raum zu wid­men, der sei­ner­seits zu gestal­ten ist. Dabei spielt auch die farb­li­che Gestal­tung und die nächt­li­che Licht­wir­kung eine ent­schei­dende Rolle: Das neue Sta­dion ist mehr als ein Logo für Mainz 05, son­dern ein Mar­ken­zei­chen für die Stadt. Die Stadt Mainz ist mehr als Mainz 05.

Die der Presse zu ent­neh­men­den Bil­der ver­mit­teln zur Farb­ge­stal­tung eine erdrü­ckende visu­elle Wir­kung. Die Rot­töné von Mainz 05 ent­spre­chen in die­ser Mas­si­vi­tät nicht der Eigen­art und der Funk­tion des betrof­fe­nen Kul­tur­land­schafts­rau­mes am Stadt­rand. Die­ses Entrée für die Lan­des­haupt­stadt Mainz muss in sei­ner jah­res– und tages­zeit­li­chen Wir­kung sorg­fäl­tig stu­diert und gestal­tet wer­den. Es darf nicht dem ein­di­men­sio­na­len Wer­be­ef­fekt einer Ver­eins­farbe unter­wor­fen sein. Dies betrifft auch die in den Visua­li­sie­run­gen ange­deu­tete, abso­lut unzu­rei­chende landschaftlich-grünordnerische Ein­bin­dung des neuen Sta­di­ons, die den stand­ort­be­zo­ge­nen Anfor­de­run­gen nicht entspricht.

Die wich­tigs­ten Aspekte einer Ver­bes­se­rung des Kon­zepts betref­fen die über­prüfte Gestalt­wir­kung des neuen Sta­di­ons in Früh­ling – Som­mer – Herbst – Win­ter – Tag – Nacht hin­sicht­lich Land­schaft – Farbe – Licht – Werbung.

Der Werk­bund Rheinland-Pfalz for­dert deshalb:

  • Erar­bei­ten alter­na­ti­ver farb­li­cher Gestal­tungs­kon­zepte für die jah­res­zeit­li­che Tag– und Nachtwirkung.
  • Ent­wi­ckeln eines Gestal­tungs­kon­zepts zur landschaftlich-grünordnerischen Einbindung.
  • Ein­be­zie­hen exter­ner Sach­ver­stän­di­ger und der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger im Rah­men der Entscheidungsfindung.

Für den Werk­bund Rheinland-Pfalz
Prof. Dipl.-Ing. Emil Häd­ler, Archi­tekt dwb
1. Vor­sit­zen­der des Deut­schen Werk­bunds Rheinland-Pfalz

Zum Wei­ter­le­sen

↦ Werkbund-Fragen an Ver­ein und Stadt Mainz (pdf, 4 MB) (ergänzt: 13.9.09)

↦ Arti­kel in der AZ Mainz vom 21.9.09 (ergänzt: 21.9.09)




Kommentar

  • Was hat der Werk­bund an einem Fuß­ball­sta­dion nicht ver­stan­den? Hier wird kein getarn­ter Bun­ker gebaut, son­dern ein reprä­sen­ta­ti­ver Bau. Die Gestal­tung ist her­vor­ra­gend (das sagt ein stu­dier­ter Gestal­ter), die Far­big­keit passt per­fekt. Aber es gibt natür­lich immer Wel­che, die erst­mal an allem und jedem was aus­zu­set­zen haben, auch wenn sie es gar nicht ver­ste­hen. Ist das typisch deutsch?

  • Über Geschmack kann man bekann­lich nicht strei­ten — und die ver­ant­wort­li­chen Archi­tek­ten und Pla­ner dürf­ten sich durch­aus Gedan­ken gemacht haben, wie das neue Sta­dion 05er-markant sein soll und trotz­dem in die Umge­bung ein­be­zo­gen wird. Grün oder tarn­far­ben wird es jeden­falls bestimmt nicht — unsere Ver­eins­far­ben sind weiß-rot!

  • Das Schöné an einer Mei­nung ist, dass sie immer Berech­ti­gung hat, aber nie­mals für andere ver­bind­lich sein kann.
    Zu glau­ben, man habe die Phi­lo­so­phie von Archi­tek­tur all­ge­mein­gül­tig ver­stan­den und wisse, wie man „rich­tig“ baut, und dann über die Farb­ge­bung eines frem­den Gebäu­des mit­re­den zu wol­len, emp­finde ich als Außen­ste­hen­der als Anmaßung.

    Wenn der Werk­bund sich der Farb­ge­bung die­ser Stadt wid­men möchte, gibt es genü­gend graue Beton­wände, die von vie­len Men­schen als depri­mie­rend wahr­ge­nom­men wer­den. Das wäre Nähe zur Lebens­wirk­lich­keit der Menschen.

  • Nach­dem die Stel­lung­nahme des DWB nun auch in der Main­zer Kari­ka­tur ange­kom­men ist (Klaus Wilin­ski am 27. Juni in der MRZ) freut sich der Werk­bund, nun in der 1. Liga der Main­zer Mei­nungs­bil­dung dabei zu sein.

    Karikatur von Klaus Wilinski in der MRZ, 27. Juni 2009

    Man mag den 05ern in jedem Fall zuge­ste­hen, für die Stim­mung und Wir­kung im Hexen­kes­sel des Sta­di­ons zu sor­gen, sie darin auch unter­stüt­zen — was der Werk­bund mit die­ser Initia­tive tut. Für die Stim­mung und Wir­kung außer­halb des Sta­di­ons in einem emp­find­li­chen Land­schafts­raum zu sor­gen ist nicht die Auf­gabe eines Fuß­ball­ver­eins. Mit die­sem Stadt­ein­gang gibt sich die Stadt Mainz die Ehre — mit einem Wis­sen­schafts­stand­ort als Universitäts-Erweiterungsgelände UND einem Sta­dion. Der Schwanz sollte nicht mit dem Hund wedeln.
    Wir wer­den wei­ter dis­ku­tie­ren. Die Gestal­tung der Mainz05 Arena ist noch lange nicht abgeschlossen.

    Emil Häd­ler
    1. Vor­sit­zen­der des Werk­bund Rheinland-Pfalz

  • Wer sich einen Ein­druck ver­schaf­fen will, wie ein gro­ßes knall­ro­tes Gebäude wirkt, muss eine Weile suchen. Im Gewer­be­ge­biet Mainz-Kastel wird man fündig:

    Sex up your life

    Aller­dings: Die Coface-Arena wird grö­ßer und steht im Grü­nen. Direkt gegen­über von Beate Uhse lässt sich übri­gens die Wir­kung einer ande­ren, ver­gleich­bar sen­si­blen Farb­kom­bi­na­tion studieren:

    Hornbach

  • Ich kann die grund­sätz­li­chen Beden­ken nach­voll­zie­hen.
    Auch halte ich die öffent­li­che Kri­tik durch den Werk­bund als Insti­tu­tion für legi­tim.
    Den­noch würde ich mich als Laie auch über öffent­lich geäu­ßerte Alter­na­tiv­vor­schläge freuen. Wie sähe denn ein dem Land­schafts­bild zuträg­li­ches Sta­dion nach Mei­nung des Werk­bun­des all­ge­mein aus?
    Die feh­lende Begrü­nung rund um den Bau emp­finde ich als tra­gisch — auf­grund der Kalt­luft­pro­ble­ma­tik ist das wohl aber nicht zu ändern. Oder nicht?
    Die rote Farbe schreckt mich als Nor­mal­bür­ger nicht beson­ders. Das oben gezeigte Bei­spiel von Beate Uhse emp­finde ich nicht wirk­lich als stö­rend.
    Ich kann mir sogar vor­stel­len, dass ein z.B. och­sen­blut­ro­tes Sta­dion gerade neben dem dun­kel­grauen Bau der FH sehr schick aus­se­hen könnte.
    Schreck­lich fände ich hin­ge­gen einen beton­grauen Kas­ten, umringt von (zur meis­ten Zeit des Jah­res) braun­schwar­zem Boden.
    Viel­leicht geben Sie einem Laien einen Tipp?
    Grüße…

  • Das Sta­dion wäre in weiß wohl schö­ner.
    Das Rot ist zwar ganz nett aber es ist dohc doch auch irgend­wie ein etwas anstren­gen­der und aggres­si­ver Farb­ton.
    Nicht umsonst ist Rot schließ­lich auch eine Warn­farbe.
    anstatt das sta­dion außen Rot mit wei­ßer Beschrif­tung zu gestal­ten, könnte man es ebens wohl außen Weiß fär­ben und rot beschrif­ten. Damit würde das Sta­dion ins­ge­samt auch nicht so rot las­tig. Schließ­lich sind die Ver­eins­far­ben ja weiß-rot nicht rot-rot. Außen als domi­nie­ren­der farb­ton ein weiß innen dann das rot, wäre wohl eine schö­nere und für alle Sei­ten pas­sen­dere und wohl auch annehm­bare Lösung des gan­zen Farb­ton­pro­blems.
    Und es würde dem Bau­werk zudem auch etwas mehr Ele­ganz ver­lei­hen können.

  • Der Werk­bund Rheinland-Pfalz hat am 28. August ein Bera­tungs­ge­spräch mit der Stadt Mainz und dem Ver­ein Mainz05 im Bau­de­zer­nat durch­ge­fu­ehrt, das sehr kon­struk­tiv ver­lief und an des­sen Ende der Aus­tausch von Fra­gen und Posi­tio­nen ver­ein­bart wurde, um die Gesprä­che zeit­nah fort­zu­set­zen. Bis dahin wurde Still­schwei­gen gege­nu­e­ber der Presse ver­ein­bart, um das zarte Pflänz­chen einer Koope­ra­tion nicht zu zer­tram­peln. Am Mitt­woch, 16. Sep­tem­ber erschien ein Bei­trag in der AZ, in dem behaup­tet wurde, der Werk­bund stehe an der Seite der Sta­di­on­pla­ner, es sei Ein­ver­neh­men erzielt, das Rot sei weni­ger Rot und etwas dezen­ter.
    Die­ses Ein­ver­neh­men ist nicht erzielt. Viel­mehr lie­gen ein Reihe von Fra­gen auf dem Tisch, die auf die­ser Seite unter „Nach­trag“ ein­zu­se­hen sind. Diese Fra­gen sind nicht beant­wor­tet. Wir erwar­ten von der AZ eine Rich­tig­stel­lung, die fuer Mon­tag, den 21.09. von Michael Erfurth zuge­sagt wurde.
    Die Dis­kus­sion um die Gestal­tung des Sta­dion geht also wei­ter. Nach wie vor ist diese Arena nicht der 1. Gestal­tungs­liga angekommen.

    Emil Häd­ler
    1. Vor­sit­zen­der des DWB rlp

  • Die All­ge­meine Zei­tung Mainz berich­tet in ihrer Aus­gabe von heute etwas dif­fe­ren­zier­ter über die Posi­tion des Werk­bunds zum Sta­di­on­bau. Aller­dings: Wer nur die Schlag­zeile auf der Titel­seite liest, nimmt einen fal­schen Ein­druck mit. Wir stel­len Fra­gen und geben Anre­gun­gen (siehe Doku­men­ta­tion), die Ant­wor­ten müs­sen schon von den Ver­ant­wort­li­chen die­ses Pro­jekts kom­men. Mit einer Aus­sage: Wir malen das Sta­dion rot an, weil das Bud­get nur noch für einen Eimer Farbe reicht, geben wir uns nicht zufrie­den. Da muss eben noch etwas nach­ge­dacht wer­den, wie sich trotz Kos­ten­de­ckel eine dem Stand­ort ange­mes­sene Gestal­tung finan­zie­ren läßt.

    Allgemeine Zeitung Mainz: Museum Linz als Vorbild

    Michael Erfurth in sei­nem AZ-Kommentar macht es sich zu leicht, wenn er den Ver­gleich mit der Allianz-Arena zieht (340 Mio!) und meint, in Mainz wür­den ja doch viel klei­nere Bröt­chen geba­cken als in Mün­chen. Oder steckt dahin­ter die poli­ti­sche Absicht, die Anre­gung des Werk­bunds auf diese Weise ins Absurde zu zie­hen? Tat­sa­che ist: Linz als Lan­des­haupt­stadt von Ober­ös­ter­reich ist mit sei­nen rund 190.000 Ein­woh­nern sehr ver­gleich­bar mit Mainz. Das dort in drei Jah­ren Bau­zeit errich­tete Lentos-Museum hat ers­tens den ein­mal geneh­mig­ten Kos­ten­rah­men ein­ge­hal­ten (von wel­chem Main­zer Bau­pro­jekt lässt sich das sagen?). Es hat zwei­tens inklu­sive Fas­sade 31,5 Mio. Euro gekos­tet. Und es ist drit­tens eines der Wahr­zei­chen der Stadt und zum Anzie­hungs­punkt für Tou­ris­ten geworden.

    Eine Anre­gung, nicht mehr und nicht weni­ger. Der Werk­bund ist gespannt, wel­che Ant­wor­ten Stadt, GVG und Ver­ein zu bie­ten haben.


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23. Juni 2009
Autor: Emil Hädler