Rheinbrücke Mittelrheintal: Wettbewerb entschieden
7
Die drei prämierten Entwürfe für eine mögliche neue feste Rheinquerung nördlich von St. Goar/St. Goarshausen wurden gestern der Öffentlichkeit vorgestellt.
- Der Werkbund dokumentiert alle zwölf Wettbewerbsbeiträge in seinem flickr-Account.
Eine neunköpfige Jury aus Mitgliedern der Landesregierung, Architekten, Ingenieuren und einem Vertreter der Unesco hat zuvor die Entscheidung in dem 2008 europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb getroffen. Die Entwürfe sollen im Juni in Sevilla der Unesco vorgestellt werden. Ab Montag, 27. April 2009, werden die Modelle der beteiligten Architekturbüros für eine Woche beim Landesbetrieb Mobilität in Koblenz ausgestellt.
Der Werkbund Rheinland-Pfalz wird diese Gelegenheit nutzen, sich ein eigenes Bild von der versprochenen „welterbeverträglichen Brückenlösung“ machen und die Diskussion mit beteiligten Interessengruppen suchen. Seine Position in der Auseinandersetzung für oder gegen eine neue Rheinbrücke will der Werkbund erst nach seriöser Abwägung aller Argumente bestimmen. Dabei werden nicht nur die Architektur der Brücke, sondern auch die dafür erforderlichen Zu– und Abfahrten sowie die Auswirkung der veränderten Verkehrsströme eine Rolle spielen. Nicht zuletzt gilt es auch das Kostenargument im Vergleich zwischen Brückenbau und subventioniertem Fährbetrieb zu berücksichtigen.
Seit Jahren schon ist eine mögliche neue Rheinbrücke in der Diskussion. Die Fotomontage zeigt einen Entwurf von 2007, entstanden als eine von sechs studentischen Arbeiten am Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen der Universität Stuttgart. Fotomontage: Roman Schieber
Diskutieren Sie mit uns hier im Werkbund-Blog: Was ist Ihre Meinung zu einer neuen Rheinbrücke im Welterbe Mittelrheintal?
Kommentar
Kommentieren


Die Unesco habe eine Umweltverträglichkeitsprüfung und eine Verkehrsstudie in Auftrag gegeben, zitiert Wikipedia die Online-Ausgabe der FAZ vom 7. Juli 2008 (abrufbar unter http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelrheinbrücke). In dem informativen Artikel sind die Standpunkte gut zusammengefasst und weitere Quellen angegeben.
Als Verschwendung von Steuergeldern bezeichnet die neugegründete Bürgerinitiative Rheinpassagen den Architektenwettbewerb für eine Mittelrheinbrücke. Nicht nur, dass der zugrundegelegte Standort noch nicht endgültig ist, nicht nur, dass es noch keinen tragfähigen Entschluss der kommunalen Baulastträger dafür gibt,– es gibt vor allem noch keine objektive Beurteilung der Notwendigkeit und der Folgen eines Brückenbaus. Dies geschieht nur in einem geheimgehaltenen Gutachten, aus dem doch Einzelheiten bekannt wurden.
Die Landesregierung hat die Gutachter gezwungen, den Nutzen der Brücke nur gegenüber der Nulllösung, d. h. dem derzeitigen, tatsächlich unzumutbaren Zustand (keine Abendfahrten, hohe Tarife) zu vergleichen und dabei äußerst bedenkliche Auswirkungen unerwähnt zu lassen. Denn nach dem Brückenbau (kostenfreie Benutzung) werden die vier kostenpflichtigen Fährverbindun-gen in Boppard, St. Goar, Kaub und Niederheimbach als nicht mehr rentabel ersatzlos wegfallen, was Fußgängern und Wanderern Rheinüberquerungen unmöglich macht. Autofahrer in den etwas entfernteren Orten würden zu großen Umwegfahrten gezwungen und die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen im Welterbegebiet (inklusive Bingen-Rüdesheim) wäre beendet, weil nur über die eine Brücke eine Rheinquerung kostenlos wäre.
Die Folgekosten der Brücke (Kapitaldienst für 40 Mio €, Abschreibung, Unterhalt) sind nach un-seren Recherchen höher als der Gesamtumsatz der vier direkt betroffenen Fähren. Für dieses Geld würden diese Fähren im derzeitigen Umfang also umsonst für die Benutzer fahren können, vielleicht sogar mit deutlich verlängerten Fahrzeiten. Denn die Bevölkerung im Mittelrheintal bezahlt soviel Kfz– und Kraftstoffsteuer wie jede andere in Deutschland und hat daher Anspruch, umsonst in einen Nachbarort gehen und fahren zu können, auch spät abends… Zudem erspart diese dezentrale, flexible Lösung jeden Eingriff in das höchstwertige Landschaftsbild; die Fähren gehören außerdem integrativ zur „Historischen Verkehrslandschaft“, als welches die UNESCO das Mittelrheintal auszeichnete.
Die Landesregierung hat im sogenannten „Managementplan“, einem Vertragsbestandteil bei der Anerkennung als Welterbe, der UNESCO die Einführung von „24-Stunden-Fähren bzw. verlän-gerte Fahrzeiten“ versprochen, ohne dies seit acht Jahren umzusetzen. Die rechtlichen Grundla-gen sind mit der Landesfährverordnung und mit den Grundsätzen der Bundesverkehrswegepla-nung gegeben.
Die Bürgerinitiative Rheinpassagen fordert daher die Erstellung korrekter, öffentlich zugänglicher Gutachten, und vor allem:
Umgehend kostenlose und länger, teilweise rund um die Uhr verkehrende Fährverbindungen im gesamten Welterbegebiet!
Die Bürgerinitiative Rheinpassagen findet es falsch, die Welterbeverträglichkeit nur an ästheti-schen Maßstäben zu messen. Ab einer gewissen Qualität wird ein Urteil subjektiv; einer hält ein Bauwerk für zu modern, ein anderer für nicht modern genug; einer hält das Landschaftsbild für unantastbar, der andere will es „weiterentwickeln“. Die von uns genannten Kriterien sind dage-gen objektiv und nachzurechnen. Vor allem betreffen sie das Welterbegebiet als ganzes und sol-ches. Gerade darum weigert sich die Landesregierung, auf sie einzugehen, lässt Gutachter die Al-ternative nicht untersuchen, und verdreht Tatsachen: Die UNESCO habe die 24-Stunden-Fähren nicht verlangt. Das trifft zu, aber die Landesregierung hat sie von sich aus 2001 vorge-schlagen, was sie jetzt nicht mehr wahrhaben will. Die UNESCO wird guttun, sie daran zu erin-nern und eine Erprobungszeit abzuwarten, bevor sie eine Entscheidung über die Brücke fällt.
Josef Heinzelmann, Sprecher (josefheinzelmann@t-online.de), 06744–94023
Das Forum Mittelrheintal hat seinerzeit eine Erklärung zum Plan einer festen Rheinquerung, verabschiedet, an der das Werkbund-Mitglied Rolf Hennes mitgewirkt hat. Wir haben die wichtigsten Punkte unter „Projekte“ dokumentiert: http://www.dwbrlp.de/projekte/mittelrheintal/erklaerung-forum-mittelrheintal-feste-rheinquerung
Siehe auch unseren Bericht von der Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge in Koblenz.
Interessanter Artikel!
Ich hoffe doch das mit dem Bau der dringend benötigten Brücke endlich begonnen wird. Jeder Tag des Verzugs ist für uns Anlieger eine Zumutung. Weltkulturerbe hin– oder her.
Die Mehrzahl der Brückengegner leben mit Sicherheit nicht in der näheren Umgebung und verstehen nicht die Problematik.
Es gibt keine Möglichkeit den Rhein vor 06:00/h oder (im Sommer) nach 23:00/h, (im Winter) nach 21:00/h zu überqueren.
Mein Bekanntenkreis würde zugunsten einer Brücke gerne auf das Kulturerbe verzichten.
! ! ! Deshalb, Baubeginn besser heute als morgen ! ! !
mitten im so heilige Weltkulturerbe (Koblenz) wird eine Seilbahn über den Rhein gebaut. Die ist bei weitem weniger nützlich als die dringend benötigte Brücke in St.Goarshausen / St.Goar und mindestens genauso ein „Schandfleck“.
Nun frage ich warum wurde die so schnell genehmigt?