Nachruf Professor Wilfried Elfers1

Der Deut­sche Werk­bund Rheinland-Pfalz e.V. trau­ert um sei­nen ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­den Wil­fried Elfers. Der Tod des Malers, Buch­ge­stal­ters, Zeich­ners, Plas­ti­kers und Desi­gners Wil­fried Elfers, die­ses her­vor­ra­gen­den Päd­ago­gen und fein­sin­ni­gen Men­schen, ist für den Werk­bund ein gro­ßer Verlust.

Wil­fried Elfers beschäf­tigte sich im pri­va­ten Schaf­fen und in der Lehre inten­siv mit den ele­men­ta­ren Grund­la­gen der Gestal­tung. Für das Bil­dungs­we­sen erneu­erte er Lehr­me­tho­den und setzte sich vehe­ment für ihre Anwen­dung ein. Es war ihm wich­tig, die gestal­te­ri­sche Tätig­keit des schöp­fe­ri­schen Men­schen­geis­tes in Archi­tek­tur, Plas­tik, Male­rei, Gra­fik und Kunst­hand­werk mög­lichst früh zu trai­nie­ren – in Kin­der­gär­ten, Grund­schu­len und Gymnasien.

Seine Arbeit wurde geprägt von Fra­gen und der Suche nach Ant­wor­ten, von Ver­su­chen, sich der Bedeu­tung von Begrif­fen anzu­nä­hern: Kunst? Kunst und Ähnli­ches? Was ist Kunst? Was ist Ähnli­ches? Ähnli­ches = nur ähnlich, also nicht Kunst? Gibt es eine Grenze zwi­schen bei­dem? Wo liegt diese Grenze? Wer zieht sie? Und wozu dient diese Grenze? Ist Kunst über­haupt ein fass­ba­rer Begriff? Wie weit reicht seine Ver­bind­lich­keit? Usw.

Sol­cher­lei Über­le­gun­gen bil­de­ten die Grund­lage für Gesprä­che in der pri­va­ten und in der päd­ago­gi­schen Arbeit, mit Stu­die­ren­den und Kol­le­gen im Werk­bund. Wil­fried Elfers pflegte das Hin­ter­fra­gen: Was sind Funk­tion und Sinn der auf­ge­be­nen Gestal­tung? Mit wel­chen bild­ne­ri­schen Metho­den lässt sie sich umset­zen? Des­halb kon­zen­trierte er sich auf die Gestal­tungs­prin­zi­pien, die Mög­lich­kei­ten des greif­ba­ren Mate­ri­als, die sich anbie­ten­den Funk­tio­nen. Jede Tech­nik, mit der man ein Mate­rial bear­bei­tet, hin­ter­lässt Spu­ren: Sie wie­derum eröff­nen Arbeits­pro­zesse, deren Wege wich­ti­ger sind als das Endprodukt.

Das erzeugt Mut und schafft Ver­trauen, getrost immer wie­der etwas Neues zu begin­nen, um Wir­kun­gen zu suchen, zu erfor­schen und sich an den Spu­ren der Farbe, deren For­men und Struk­tu­ren zu erfreuen. Mit sei­nem Opti­mis­mus steckte Wil­fried Elfers alle Mit­glie­der des Werk­bunds an. Geheim­nis­vol­les und Wun­der­ba­res hat er in der Viel­falt sei­ner künst­le­ri­schen Objekte geschaf­fen. Dabei ist er sich der inn­er­bild­ne­ri­schen Ent­wick­lung immer treu geblie­ben, ob er mit Sand, Wolle, Öl, Kar­ton, Papier, Holz oder wel­chem Mate­rial auch immer arbeitete.

Wil­fried Elfers war eine mar­kante Per­sön­lich­keit, die in vor­bild­li­cher Weise die Ideale und Ziele des Werk­bunds ver­tre­ten hat. Mit sei­ner Arbeit hat er Maß­stäbe gesetzt, an denen wir uns auch in Zukunft mes­sen las­sen wol­len. Wir wer­den ihn in freund­schaft­li­cher Erin­ne­rung behal­ten und ihm all­zeit ein ehren­des Anden­ken bewahren.

Bio­gra­fie

  • 1921 gebo­ren am 24. August in Darmstadt
  • 19451947 Pri­vat­schü­ler bei Pro­fes­sor Kai H. Nebel
  • 19471953 Stu­dium an der Hoch­schule für Bil­dende Künste Kas­sel (Wer­ka­ka­de­mie): Kunst­er­zie­hung Male­rei bei Pro­fes­sor Arnold Bode, Pro­fes­sor Ernst Rött­ger, Pro­fes­sor Kai H. Nebel
  • 1951 Staats­ex­amen, zusätz­li­ches Stu­dium Buch­bin­de­rei bei Prof. Kurt Londenberg
  • 19531968 Dozent an der Hoch­schule für Bil­dende Künste in Kas­sel, Lei­ter der Klasse Buch und Papier
  • 1968 Auf­trag zum Auf­bau eines Grund­la­gen­stu­di­ums an der Werk­kunst­schule Mainz
  • 19721985 Pro­fes­sor für Gestal­tungs­grund­la­gen an der Fach­hoch­schule Rheinland-Pfalz, Mainz
  • 1985 Pen­sio­nie­rung, seit­her freie Tätig­kei­ten. Mit­glied im Ver­band Deut­scher Buch­künst­ler, im Deut­schen Werk­bund (zeit­wei­lig Lan­des­vor­sit­zen­der in Rheinland-Pfalz), lang­jäh­ri­ges Vor­stands­mit­glied im Berufs­ver­band Bil­den­der Künst­ler Nord­hes­sen und Mit­glied im Berufs­ver­band Bil­den­der Künst­ler Rheinland-Pfalz
  • 2010 ver­stor­ben am 17. März in Mainz

Aus­stel­lun­gen

Seit 1947 Aus­stel­lungs­be­tei­li­gung und Aus­stel­lun­gen an ver­schie­dens­ten Orten. Ein­zel­aus­stel­lun­gen: Kunst­ver­ein Kas­sel, Gale­rie Kausch und Gale­rie Geschwin­de­Kas­sel, Museum Wup­per­tal, Frank­fur­ter Gale­rien, Gale­rie Reh­berg Mainz, Gale­rie Cars­tens Flens­burg, Kunst­kreis Novo Mainz, Kul­tur­amt der Stadt Kas­sel im Schloss Bel­le­vue, Kom­mu­nale Gale­rie Schlan­gen­bad, u.a.

Aus­stel­lungs­be­tei­li­gung in: Kas­sel, Darm­stadt, Mainz, Frank­furt am Main, Göt­tin­gen, Kon­stanz, Oppen­heim, Ingel­heim, Speyer, Köln, Grei­fen­stein, u.a. Aus­stel­lun­gen im Zusam­men­hang mit der Lehr­tä­tig­keit: „Tri­enale“ Mai­land, Welt­aus­stel­lung Brüs­sel „Neues deut­sches Kunst­hand­werk“ in Lau­sanne, Ham­burg und Bern, 1967 Aus­stel­lung im Kling­spor­mu­seum Offen­bach, 1975 Aus­stel­lung im Gutenberg-Museum Mainz, 2001 aus Anlass des 80. Geburts­ta­ges Aus­stel­lung in der Staats­kanz­lei Rheinland-Pfalz.

Außer­dem Arbei­ten an unter­schied­li­chen Pro­jek­ten wie: „Kunst am Bau“, Glas­fens­ter für Sakral­bau­ten, diverse Buch­ein­bände (z. B. Altar­bi­bel Lip­polds­berg, Gol­de­nes Buch der Stadt Kas­sel), Ent­würfe für Kar­to­na­gen, Brun­nen­bau auf dem Ler­chen­berg Mainz.




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22. April 2010
Autor: Valy Wahl